Rache, Hut und Pool-Geflüster

Leseprobe

 

1 - Stand der Dinge

Anfang Dezember
Mannheim-Schönau


Wie jedes Jahr kam Weihnachten wieder plötzlich und völlig unerwartet. In der Seniorenresidenz Haus Abendfrieden baumelte im Restaurant ein riesiger Adventskranz von der Decke. Tannenzweige, geschmückt mit Schleifen und Kerzen, traditionell in Rot und Gold schmückten die Tische. Barbara Herzig, Elisabeth Aschenbach und Frida Strelitz starrten hinaus in den Garten. In der Nacht war ein heftiger Wintersturm durchgezogen. Doch Theas Amberbaum, den sie im Gedenken an ihre tote Freundin so gepflanzt hatten, dass sie ihn von ihrem Tisch im Restaurant sehen konnten, stand unerschütterlich und aufrecht.
„Keine Sorge, in den letzten Wochen war kaum jemand draußen“, murmelte Frida, „alles sicher verwahrt. Erst im Frühjahr geht es wieder los: Zweige scheiden, Erde lockern …!“ Sie verstummte als Lily, Servicekraft im Abendfrieden, blonde Schönheit und wichtige Mitstreiterin bei den Denkzetteln, an den Tisch trat und die Tomatensuppe servierte.
„Wir müssen aufpassen, dass sich niemand Theas Baum mit einer Schaufel nähert“, flüsterte Frida, als Lily zum nächsten Tisch ging.
„Findet ihr es nicht seltsam, dass er noch keinen Zentimeter gewachsen ist?“ Barbara, die keine Suppe mochte, angelte mit der Gabel eine Tomatenscheibe von ihrem Endiviensalat. Sie plumpste wieder zurück auf den Teller. Ein schlechtes Omen, würde Frida sagen, wenn sie es gesehen hätte.
„Vielleicht hemmt etwas seine Wurzeln, hält sie davon ab, sich weiter einzugraben“, unkte stattdessen Elisabeth mit dumpfer Grabesstimme.
Frida schenkte ihr einen finsteren Blick. „Düstere Prophezeiungen sind meine Sache. Bleib du bei deinen weisen Sprüchen. Ein Baum wächst eben langsam. Keine Sorge, seine Wurzeln sind fest. Und er hält fest, was er einmal umschlungen hat. Für alle Ewigkeit!“
Barbara zwinkerte Elisabeth zu und grinste. In den letzten Wochen war Frida ausgesprochen poetisch, was sicher an Oscar Gärtner lag. Oscar, der nicht nur so hieß, sondern war auch der Gärtner des Abendfriedens war, hatte mit Frida seit letztem Sommer ein unmoralisches Verhältnis.
„Sag mal“, begann Elisabeth vorsichtig, „ich kann mich nicht mehr so genau erinnern ... weiß dein Gärtner eigentlich …“
„Der weiß nix und das soll auch so bleiben!“
Elisabeth nickte anerkennend. Immerhin war Frida nicht so hemmungslos verliebt, dass sie Oscar all ihre Geheimnisse anvertraute. „Trotzdem müssen wir aufpassen. Vor allem, wenn Ulf und Alf kommen. Auf keinen Fall darf der Hund buddeln.“
Barbara erinnerte sich an die vielen Fernsehkrimis, die damit anfingen, dass ein Spaziergänger mit Hund etwas entdeckte, was er nicht sollte.
Lily servierte Blumenkohl und gefüllte Pfannkuchen.
„Wie wäre es mit einem Gitter um den Baum“, überlegte Frida, „nur als Vorsichtsmaßnahme?“
„...vielleicht noch ein paar romantische Grabkerzen, damit jeder Bescheid weiß“, zischte Elisabeth über ihrem Blumenkohl.
„Muss ohnehin alles bis März warten“, Frida verspeiste schnell den letzten Bissen ihres Pfannkuchens und blickte bedauernd auf das Zimteis mit Heidelbeeren, das Lily vor ihr abstellte. „Tut mir leid, Schätzchen. Heute keine Zeit für Nachtisch! Ich treffe mich mit Oscar im Reisebüro Dahms in Sandhofen. Wir können die Tickets abholen. Bleibt es dabei, dass Ulf uns am 20. Dezember zum Flughafen fährt?“
„Er kommt extra mit seinem Mercedes-Kombi“, sagte Lily stolz, „damit wir alle Platz haben und zum Abschied die tränennassen Geschirrtücher schwenken können, wenn du mit Oscar nach Australien entschwebst!“
„Du bist ein Schatz. Hier, nimm mein Dessert und verdirb dir wenigstens ein bisschen die Figur, damit ich nicht immer so neidisch sein muss. Meine Damen, bis später beim Schreibkurs!“
Barbara hoffte noch immer, dass Fridas Reisepläne sich auflösen würden. Ausgerechnet an ihrem ersten gemeinsamen Weihnachtsfest wollte sie zu Tochter Angelika und den Enkeln reisen. Frida schwebte davon, glücklich und froh, den Gärtner überredet zu haben, auf die lange Reise mitzukommen.

 

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