Recht, Gerechtigkeit und der feine Unterschied

Es ist ja nur ein Buch. Aber ein durchaus freches Buch. Nun ist der Heidelberger Claus Beckenbach bekannt dafür, eher ungemütliche Romane zu Papier zu bringen und auch sein neues Werk

09.02.13

Heidelberg

Im Mittelpunkt des Romans steht die Richterin Claudia von Schreißheim. Sie ist intelligent, sie ist fleißig, sie ist schlau. Sie könnte eine gute Richterin sein. Dummerweise ist sie auch machtbesessen, mag Schmuck, Geld und sie mag Menschen, die von alledem viel haben. Beckenbach erzählt anhand dieser Richterin eine geradezu absurde Geschichte. Da will diese Richterin tatsächlich in der Lage sein, handfeste Anklagen abzubügeln, Urteile so zu verdrehen, dass sie juristisch einwandfrei, aber von Gerechtigkeit meilenweit entfernt sind? Und dafür soll sie dann auch noch von den Begünstigten Geld kassieren, kostbare Geschenke erhalten und zu teuren Reisen eingeladen werden?

Das ist natürlich alles völlig an den Haaren herbeigezogen, mag der Leser denken. Ähnlich geht es den drei Freunden im Roman, die die juristischen Geschehnisse mal nur beobachten, mal selber involviert und meistens ziemlich fassungslos sind. Und so könnte man diesen Roman einfach als amüsantes Märchen lesen. Unterhaltsam ist er ohnehin, flott geschrieben, mitunter äußerst humorvoll, Lokalkolorit ist auch drin - passt.

Wenn da nicht diese Zwischenrufe wären. Claus Beckenbach hat offensichtlich viel recherchiert für dieses Buch und zitiert so manchen klugen Kopf. Das kann er, schließlich ist er seit Jahrzehnten Journalist, unter anderem war er 15 Jahre lang im Deutschen Bundestag akkreditiert. Seine Recherchen bettet er als sogenannte Zwischenrufe ins Romangeschehen ein und sie sind es, die den Leser letztendlich am Märchenhaften des Romanes zweifeln - oder sollte man besser sagen - verzweifeln lassen. Beispiel gewünscht? Schon auf Seite sechs zitiert Beckenbach Frank Fahsel, Richter am Landgericht Stuttgart a.D. mit folgendem Satz: " Ich habe unzählige Richterinnen und Richter, Staatsanwältinnen und Staatsanwälte erleben müssen, die man schlicht kriminell nennen kann".

Trifft man den Autor selber, bleibt er freilich dabei, dass all das, was er so aufgeschrieben hat, eine rein fiktive Geschichte ist. Bis auf die Zitate eben. Aber er sagt es so, dass man es ihm nicht ganz glaubt und er sagt es absichtlich so. Also alles nur ausgedacht? "Nein", gibt er dann doch zu: "Menschen, die viel Geld haben, gewinnen mehr Prozesse, als jene, die wenig haben".

Der sitzt, der Satz. Damit macht er sich sicher nicht nur Freunde. Beckenbach sieht es gelassen und führt gleich ein Beispiel an: "Nehmen Sie mal Herrn Kachelmann." Der könne sich einen teuren Anwalt leisten. Schon habe er einen Vorteil denen gegenüber, die weder Geld noch Berühmtheit haben. Das mag sein. Aber der Vorwurf der Bestechlichkeit hat freilich noch ein ganz anderes Kaliber. Beckenbach wählt seine Worte mit Bedacht und stellt lächelnd die Gegenfrage: "Wo beginnt sie denn, die Bestechung?" Man möchte es von ihm wissen.

"Dann gehen Sie doch mal zur Mittagszeit in Heidelberg in die Bahnhofstraße. Die eine Hälfte der Justiz sitzt im Walfisch, die andere im Da Vinci", sagt Beckenbach und er sagt es so, dass man davon ausgehen kann, dass die Damen und Herren dort nicht übers Wetter reden. Man möchte es genauer wissen, man hakt nach, aber Beckenbach ist klug. Er lässt sich nicht festnageln und er lässt sich auch nicht zu Aussagen hinreißen, die ihm womöglich Ärger bescheren könnten. Es ist alles eben nur ein Roman. Den man durchaus lesen sollte, auch wenn’s ein bisschen wehtut und man sich danach wünscht, niemals vor einer Richterbank zu stehen - außer, man hat vorher im Lotto gewonnen oder man geht regelmäßig Mittagessen. Mit dem Richter. shy

"Schreißheim" ist erschienen im Waldkirch Verlag; ISBN: 978-3864760259.

Der Originalbericht
Weinheimer Nachrichten

Artikel vom: 09.02.2013



   

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