Zwei Mannheimer schrieben den -Facebook-Killer-

Thommy Mardo und Oliver Hoffmann

06.08.12

Das Buch der beiden Autoren handelt von einem Mann, der sich unter dem Pseudonym Vincent Vega, ein Charakter aus dem Kultfilm Pulpfiction, im sozialen Netzwerk Facebook auf die Suche nach jungen Frauen begibt. Schnell steuert er auf ein persönliches Treffen zu, um sie dann qualvoll zu ermorden. Er sieht sich genauso wie Vincent Vega als Auftragskiller. Allerdings tötet er nicht für Geld, sondern im Auftrag Gottes, was seine religiöse Erziehung durchscheinen lässt. Antrieb und Auslöser für die Taten Facebook-Killer_Cover_600.jpgist eine schreckliche Kindheit, die er durchlitten hat. Dazu gehörten regelmäßige Prügel, die er selbst und seine Mutter vom betrunkenen Vater bekamen. Er ist hinter Frauen her, die seiner Auffassung nach „untreu und böse“ sind. Mit Bibelzitaten weist der Täter darauf hin, dass die Frauen bestraft werden mussten. Schauplatz ist Paris und die einzige Verbindung zu Mannheim, wo beide Autoren zu Hause sind, ist eine angeforderte Ermittlerin namens Geza Wolf, die der ansässigen Polizei unter die Arme greifen soll. Sie hat eine Spezialausbildung für pathologische Mörder und ist herausragend auf ihrem Gebiet. Auch bei ihr gibt es eine „Sache“ die die Leserin/den Leser bereits vermuten lässt, dass ihr Schlimmes widerfahren ist. Es beginnt eine spannende und überraschende Jagd auf den Killer.
 
Mit ihrem gemeinsamen Thriller möchten Thommy Mardo, bekannt als Tourfotograf der Söhne Mannheims, und Oliver Hoffmann, Gründer eines Verlags für Fantasyromane, auf Gefahren in sozialen Netzwerken aufmerksam machen. Sie wollen die Leserinnen und Leser ohne erhobenen Zeigefinger dazu bewegen nicht zu leichtsinnig mit privaten Daten im Netz umzugehen.

Eigentlich ist Mardo mit Leib und Seele selbstständiger Fotograf mit eigenem Atelier.
Die Idee kam ihm, als er von der Ermordung der 16jährigen Schülerin Linda H. aus Coburg  erfuhr. Der 21jährige Jerry J. lernte sie nur wenige Stunden vorher über Facebook kennen, traf sich mit ihr, und ermordete sie dann mit mehreren Hammerschlägen und Messerstichen. Insgesamt sind bisher drei reale Fälle bekannt, bei denen der Täter seine Opfer über Facebook fand. Mardo kontaktierte den Mannheimer Waldkirch Verlag, um seinen Einfall, diese Thematik in einen Thriller zu packen, in die Tat umzusetzen. Hier wurde er mit Oliver Hoffmann zusammengeführt, der Germanistik studierte und bereits einige Romane und Bühnenstücke geschrieben hat. Seine Aufgabe sollte es werden, das Buch zu schreiben. Nach einigen Treffen, bei denen die Figuren, der Ort des Geschehens und die Handlung besprochen wurden, machte sich Hoffmann ans Schreiben. Nach einem Jahr kann man nun das Ergebnis lesen.

Natürlich stehen drei Mordfälle zu 900 Millionen Nutzerinnen und Nutzern, kaum im Verhältnis. Trotzdem findet Hoffmann, dass drei schon zu viel sind. Er sagt aber auch: „Selbstverständlich muss man zuspitzen, um im Rahmen eines Unterhaltungsromans - und das ist ein Krimi letztlich immer - auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam zu machen.“  Die Botschaft ist ihnen mit leichter Unterhaltung gut gelungen. Hoffmann erklärt, warum ausgerechnet Paris als Schauplatz gewählt wurde: „Mein Co-Autor Thommy Mardo wollte den Krimi gern in New York ansiedeln, ich hätte lieber einen Regionalkrimi daraus gemacht - da schien uns Paris der logische Mittelweg.“
Leserinnen und Leser, die bei einem kleinen Mannheimer Verlag und zwei Mannheimer Autoren einen Regionalkrimi erwarten, werden also bitter enttäuscht sein.

Schon im Prolog geht es mit Schimpfwörtern und Gewalt zur Sache. Hier wird kein Blatt vor den Mund genommen.
Der Krimi liest sich sehr flüssig, da Hoffmann nicht mit Fremdwörtern um sich wirft. Eine schöne Einteilung mit regelmäßigen Zwischenberichten, die aus Rückblenden auf die Vergangenheit und Gedanken des Täters bestehen, machen Lust auf mehr. Eine außergewöhnliche Zugabe ist ein Link auf eine PDF-Datei mit einer Bildserie der verschiedenen Schauplätze in Paris. Hoffmann trumpft mit einem überraschenden Ende auf und punktet bis dorthin mit Spannung und realistischer Darstellung. Das Buch bleibt zwar fesselnd bis zum Ende, allerdings hätten es dafür auch ein paar weniger Opfer getan. Für Thriller- und Krimifans ist der Facebook-Killer auf jeden Fall eine schöne Sommerlektüre.

Auf die Frage, ob es in nächster Zeit noch mehr Bücher in dieser Autorenkonstellation geben wird, oder womöglich eine Fortsetzung des „Facebook-Killers“, antwortet Hoffmann: „Wir hoffen ja und haben weitere Ideen“.

Oliver Hoffmann, Thommy Mardo: DER FACEBOOK-KILLER
Mannheim, Waldkirch Verlag, Juni 2012
ISBN-13: 978-3-86476003-7
336 Seiten, broschiert, 11,80 EUR

Text: Kerstin Dinkhauser

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