Spargelhäuschen führen zu längst vergangenem Verbrechen

Regionalkrimi: Der Lampertheimer -Spargelmord- startet nur wenige Wochen nach dem Verkaufsstart bereits in die zweite Auflage

05.05.11

Bergstraße. Das ging ja zackig: Manfred Krämers "Spargelmord" ist gerade mal ein paar Wochen auf dem Markt, und schon schwindet die erste Auflage zusehends. Der Mannheimer Waldkirch-Verlag hatte den Krimi in mutigen 5000 Exemplaren drucken lassen. "Jetzt geht's an die zweite Auflage" freut sich Autor Krämer über den fixen Erfolg.

Dabei hat der Lampertheimer noch keines seiner Bücher so eng regional begrenzt wie seinen aktuellen "Spargelmord". Zwar schickt er seine beiden Protagonisten Tarzan und Solo für ihre Ermittlungen auch mal auf Lkw-Tour durch die Republik. Doch der Großteil der Handlung spielt in Lampertheim. Außerdem legt Krämer vielen seiner Figuren den Lampertheimer Dialekt in den Mund. Allerdings übersetzt er jede Wendung per Fußnote und hat im Anhang des Romans sogar ein ausgesprochen witziges Glossar "Loambaddarisch fa Främme" beigefügt. Alleine diese Auflistung ist ein echter Genuss.

Häuschen fallen reihenweise

Den Ausgangspunkt seiner Geschichte hat der Autor gar nicht weit hergeholt. Schließlich gibt es Initiativen zum Erhalt der Spargelhäuschen als Baudenkmäler der Lampertheimer Landwirtschaftsgeschichte tatsächlich. Diese teilweise ziemlich maroden Häuschen fallen im neuen Krämer-Krimi reihenweise - aber nicht zufällig - ungelenken Traktor-Manövern zum Opfer. Und dies beschäftigt sehr plötzlich das Privatermittler-Pärchen Tarzan und Solo.

Die beiden sind eigentlich als verdeckte Ermittler für den Landwirt Karl-Wilhelm Seelinger II. unterwegs. Diesem kommen nämlich zunehmend beträchtliche Mengen an Gemüse abhanden. Vorzugsweise der leckere Lampertheimer Spargel verschwindet auf mysteriöse Weise. Fast sprichwörtlich im Vorbeifahren lösen Solo und Tarzan diesen Fall. Die deutlich härtere Nuss wird der Stress um die Spargelhäuschen. Weil Landwirte die Hütten aus der Landschaft räumen wollen, macht ihnen ein Unbekannter das Leben schwer. Dieser fährt schweres Geschütz auf, belässt es nicht nur bei warnenden Graffitis, sondern fackelt die Gerätehalle des Landwirts Sebastian Günderoth ab.

Krämer legt die Handlungsstränge und -fährten seines neuen Krimis sehr geschickt aus. Das zentrale blutige Verbrechen bringt er zwar gleich zu Beginn in einer Art doppeltem Prolog unter. Doch lässt er den Leser mit weitaus mehr Fragen zurück, als er Antworten gibt. Mit diesem Kunstgriff weckt er erst richtig das Interesse am Fortgang der Geschichte. Also kann der Leser mit seinem Halbwissen trefflich rätseln, wie genau der Kampf um die Spargelhäuschen mit dem längst vergangenen Verbrechen zusammenhängt. Klar ist lediglich, dass mit dem Erhalt der alten Häuschen auch die Bluttat von damals unentdeckt bleiben soll.

Viele Örtlichkeiten erkennbar

Ausführlich bedient Manfred Krämer den Reiz, der den Regionalkrimis so typisch innewohnt. Vor seinem geistigen Auge kann der ortskundige Leser sehr genau erkennen, wo die Handlung gerade spielt. Vor allem die Beschreibung des Geschehens in den Lampertheimer Böllenruthen lässt sich ausgezeichnet nachvollziehen. Nur das Riesengewächshaus und eine mit Wasser gefüllte Kiesgrube jenseits der Bahnlinie entspringen der dichterischen Freiheit.

Pralles Leben, kraftvolle Sprache

Einmal mehr bedient sich Krämer für den "Spargelmord" einer kraftvollen Sprache. Seinen Figuren haucht er pralles Leben ein, charakterisiert sie ausgiebig und lässt sie so ausgesprochen greifbar werden. Das sind Menschen aus Fleisch und Blut. Und sehr zur Freude der Lampertheimer lässt es der Schriftsteller nur so wimmeln vor Seelingers, Günderoths, Karbs, Gutschalks und Hartmanns.

Identifizieren lässt sich allerdings kaum jemand, bis vielleicht auf einen verdienten Lampertheimer DRK-Mitarbeiter, der im Krimi den nur leicht abgewandelten Namen Karl-August Hauser trägt.

Ihren Höhepunkt findet die Story in der gewitternächtlichen Jagd über die Spargeläcker, die Tarzan nur mit knapper Not überlebt. Allerdings ist Kraftfahrer Krämer an einigen Stellen die Leidenschaft durchgegangen. Die Beschreibung der modernen Sattelzüge gestaltet der Autor sehr detailverliebt. Da zeigt er eine Spur zu deutlich, dass er etwas davon versteht. Ein zweiter kleiner Wermutstropfen, der in der zweiten Auflage allerdings ausgemerzt werden soll: Es finden sich relativ viele Rechtschreibfehler im Buch. Da hätte sich der Leser ein gründlicheres Lektorat gewünscht.

Unterm Strich bietet Krämer allerdings ausgezeichnete Unterhaltung und beweist einmal mehr, dass er in der Krimi-Szene schon lange kein Geheimtipp mehr ist. "Spargelmord" gehört fraglos zum Besten, was Krämer bislang zu Papier gebracht hat. bjz/sm

Bergsträßer Anzeiger
05. Mai 2011

Krämer und seine Krimis

 Manfred Krämer wurde 1956 geboren.
Der gelernte Bauzeichner lebt
seinen Kindertraum und arbeitet
hauptberuflich als Kraftfahrer bei
einer Mannheimer Spedition.

 2004 erschien sein Erstlingswerk
„Tod im Saukopftunnel“ als erster
Band der Reihe „Bergstraßen-Krimis“
im Kehl-Verlag. Es folgten „Der Kardinal
von Auerbach“ (2005) und„Die
Raben vom Mathaisemarkt“ (2006).

 Der „Saukopftunnel“ liegt auch in
einer Hörbuch-Version vor, gelesen
von Manfred Krämer selbst.
 Weitere Werke sind der Abenteuer-
Roman „Onca der weiße Jaguar“,
die Kurzgeschichte „Totenhochzeit“
sowie das Hörbuch „Heiße Luft und
kaltes Bier“.

 Der „Spargelmord“ ist der erste
Rhein-Neckar-Krimi im Mannheimer
Waldkirch-Verlag. Die erste Auflage
wurde in 5000 Exemplaren gedruckt,
die bald ausverkauft sind. Deshalb
druckt der Verlag jetzt die zweite Auflage.

 Manfred Krämer arbeitet bereits an
der Fortsetzung der Krimi-Reihe.
Unter dem Arbeitstitel „Mannheimer
Kohle“ lässt er Solo und Tarzan im
Rheinschiffer-Milieu ermitteln. Als
Veröffentlichungstermin ist Anfang
2012 geplant.

 Zuvor erscheint im Sommer 2011 der
Thriller „Die Skorpionin“ um einen
Mannheimer Strafverteidiger sowie
ein Krimi-Kochbuch im Herbst. /sm

 

Leseprobe

Spargelmord“. Waldkirch Verlag,
264 Seiten, 9,95 Euro.



   

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