Manfred Krämer: Ich bin der glücklichste Autor

Interview: Der Lampertheimer Schriftsteller Manfred H. Krämer veröffentlicht im Frühjahr seinen Regionalkrimi

08.01.11

MM_Manfred_Kraemer_2011-01-08.jpgBergstraße. Krimi-Autor Manfred H. Krämer ist vergeben. Der Verfasser der beliebten Bergstraßen-Krimis ist vom Mannheimer Waldkirch-Verlag mitsamt seinen zukünftigen Werken fest unter Vertrag genommen worden. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über sein Glück bei dem neuen Verlag, die realen Vorbilder für seine Figuren und sein Dasein als Lkw-fahrender Schriftsteller.

Der Bergsträßer Krimiautor Manfred Krämer berichtet von seinem neuen Roman und
Verlag.

Herr Krämer, Sie kommen gerade von einer verschneiten Lkw-Tour aus Limburg. Warum tun Sie sich das eigentlich noch an? Mit Ihren Büchern und Lesungen sind Sie doch erfolgreich.

Manfred H. Krämer: Ja schon. Aber die Schriftstellertätigkeit wirft so wenig ab. Ich müsste schon jedes Jahr einen Bestseller schreiben, um meinen Ansprüchen gerecht zu werden. Übrigens haben die meisten deutschen Krimischreiber auch noch einen anderen Job - selbst richtig erfolgreiche. Ich liebe aber auch meinen Beruf. Den würde ich auch gar nicht aufgeben wollen.

Aber sind die vielen Termine als Autor denn zeitlich überhaupt mit Ihren Lkw-Touren zu vereinbaren?

Krämer: Jein. Ich muss schon viel Jahresurlaub dafür opfern. Einmal im Jahr fahre oder fliege ich mit meiner Frau eine Woche weg, aber der Rest geht für das Schreiben und die Lesungen drauf.

Seit kurzem sind Sie nun fest beim Verlag Waldkirch unter Vertrag. Was bedeutet das für Sie?

Krämer: Das ist für mich wie Weihnachten und Neujahr an einem Tag. Nachdem Frau Waldkirch mir das mitgeteilt hatte, musste ich stark um Fassung ringen, damit ich ihr nicht gleich um den Hals falle. Wobei sie so ein herzliches Wesen hat, dass sie das wahrscheinlich gar nicht gestört hätte. Dass so ein Verlag meinen Büchern mit so viel Begeisterung begegnet, macht mich wirklich zum glücklichsten Autor.

Der Verlag ist ja gar nicht unbedingt dafür bekannt, Krimis zu verlegen. Macht es Sie besonders stolz, dass er Sie trotzdem unter Vertrag genommen hat?

Krämer: Ja. Ich bin sogar der erste Krimiautor im Verlag und das heißt, dass wir jetzt eventuell dort eine Tradition begründen. Vielleicht bleibe ich ja nicht der Einzige. Im ganzen Jahr war das wirklich das Beste, das mir passiert ist.

 

Als erstes Buch in ihrem neuen Verlag wird im Frühjahr "Spargelmord", der vierte Teil Ihrer Bergstraßen-Krimis, erscheinen. Es ist Ihr erstes Buch, das komplett in Lampertheim spielt. Wie kam es dazu?

Krämer: Es war mir einfach ein Bedürfnis, mal einen richtigen Lampertheimer Krimi zu schreiben. Ich wohne ja hier und werde leider auch andauernd angesprochen, ob ich nicht mal über dies oder das schreiben könnte.

Und in "Spargelmord" schreiben Sie nun über den Streit um den Abriss der alten Spargelhäuschen auf den Feldern. Wie sind Sie auf dieses Thema gekommen?

Krämer: Diese Diskussion gibt es ja in Lampertheim wirklich und ich mag die Spargelhäuschen einfach. Auch meine beiden Protagonisten Tarzan und Solo sind ja bei diesem Thema unterschiedlicher Meinung. Ich bin da eher bei Solo. Die mag die kleinen Häuschen und fände es schade, wenn sie verschwinden würden.

Wie konstruieren Sie eigentlich Ihre Figuren? Beruhen diese auf echten Lampertheimer Vorbildern?

Krämer: Die haben alle einen realen Hintergrund. Das ganze Volk, das sich in meinen Büchern tummelt, läuft auch irgendwo herum. Man sagt mir ja auch nach, dass meine Figuren leben. Das liegt ganz einfach daran, dass sie wirklich leben.

Und auf wem beruhen Tarzan und Solo?

Krämer: Im Tarzan stecken 50 Prozent von mir. Zum Beispiel seine Sucht nach Harmonie. Solo ist ein Kunstprodukt aus drei verschiedenen Frauen, unter anderen meiner eigenen. Im Übrigen besetze ich alle meine Figuren für mich auch mit Schauspielern. Beim Tarzan ist es Tatortkommissar Andreas Hoppe, bei Solo denke ich an Franka Potente.

Sie präsentieren Ihre Werke ja auch immer in vielen Lesungen. Was ist das Besondere daran?

Krämer: Meine Lesungen unterscheiden sich schon von denen anderer Autoren. Ich bin nun mal eine Rampensau und suche mir bewusst auch immer Stellen mit viel Dialog aus. Da arbeite ich dann gerne mit Dialekten. Ich spreche ja sämtliche deutsche Dialekte und lebe die Dialoge regelrecht mit. Das ist dann Kino für den Kopf und das lieben die Zuhörer.

Mit dem neuen Verlag ist ja auf jeden Fall gewährleistet, dass noch das eine oder andere Buch von Ihnen erscheinen wird. Wie würden Sie denn generell den Stil Ihrer Bücher beschreiben und worauf kommt es Ihnen an?

Krämer: In erster Linie will ich unterhalten und mir kommt es weniger darauf an, Botschaften zu transportieren oder große Literatur zu machen. Meine Bücher sind ja ideale ICE-Literatur: Sie steigen in München in den Zug ein und in Hamburg aus und haben mein Buch durch. Wenn die Leute sagen, dass sie nicht aufhören konnten, zu lesen, ist das für mich immer noch das größte Kompliment. /sm

Manfred H. Krämer

- Manfred Krämer wurde 1956 geboren
und lebt in Lampertheim.
- Neben seiner Schriftstellertätigkeit
arbeitet Krämer als Lkw-Fahrer.
Zuvor arbeitete er bereits als
Rheumadeckenverkäufer,
Vermögensberater und
Tankstellenkassierer.
- Seine größten Erfolge sind die
Bergstraßen-Krimis, von denen „Tod
im Saukopftunnel“ 2004 der erste
war.
- Krämers neuer Roman „Spargelmord“
wird der vierte Bergstraßenkrimi
sein und soll im Frühjahr pünktlich
zum Start der Spargelsaison
erscheinen. /sm

Bergsträßer Anzeiger
8. Januar 2011



   

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