Von den zahlreichen Schikanen des Lebens

Heinz Schönfeldt versteht sich auch auf Literarisches

05.11.08

Das neue Buch: Der Mannheimer Journalist Heinz Schönfeldt versteht sich auch auf Literarisches, sein Prosaband beweist es

Von den zahlreichen Schikanen des Lebens

Von unserer Mitarbeiterin Monika Lanzendörfer

Sebastian Wolke darf sich auf einen Flug zum Mond freuen. Doch der Möchtegern-Astronaut lehnt die Traumreise bitter enttäuscht ab, als er sich verpflichten muss, wieder zur Erde zurückzukehren. Frau Witzel erleidet einen Nervenzusammenbruch, weil sie einer Überdosis Wagner-Musik ausgesetzt ist.

Besonders schikanös geht das Leben mit zwei Buchhaltern um, die ihre Tage sorgfältig und fleißig nach Zahlenketten ausrichten und darum hilflos reagieren, wenn das Unberechenbare sie aus der Bahn wirft.

Heinz Schönfeldt erfindet mit Vorliebe groteske, absurde, undenkbare Situationen, auf die niemand gefasst sein kann. Eine Tote steht aus ihrem Sarg auf; ein Hund fragt in der Menschensprache nach einer Straße. Wie soll man in solchen Fällen reagieren? Der Autor spart sich kluge Ratschläge. Er schreibt hintergründig lächelnd, schildert jedoch seine männlichen Hauptfiguren, die er einem Dilemma aussetzt, vordergründig naiv.

Allein schon den Namen der beiden Buchhalter haftet Kleinmut und Wankelmut an. Der gewissenhafte Herr Kräutlein stirbt über einem Haufen Büroklammern an gebrochenem Herzen, weil ihm die Illusion perfekter Datenverwaltung verloren geht. Herr Wesserlein, der sich ebenfalls für unfehlbar hält, will plötzlich aus seinem üblichen Trott ausbrechen, um ein Wunder zu verarbeiten. Er behauptet nach einer schlaflosen Nacht: "Die Uhr schlug dreizehn". Dieser Irrtum gibt Schönfeldts Buch-Erstling den Titel.

Der handliche Band enthält "26 Geschichten zwischen Hier und Gestern", ausgewählt aus rund 50 Jahren schriftstellerischer Tätigkeit während des Studiums, der Zeit als Kulturredakteur des "Mannheimer Morgen" und während des Ruhestands. Auf der literarischen Spielwiese ist Platz für pointierte Wortgefechte und locker aus dem Ärmel geschüttelte Dialoge. Für amüsante Weisheiten und Gruseliges. Für Satire und Weltuntergangsbilder. Sie verheimlichen ihr Alter keineswegs, gehören sie doch in ein vergessenes Kapitel der Zeitungsgeschichte.

Die meisten Texte entstanden, als Tageszeitungen ihre Käufer noch am Wochenende mit Kurzgeschichten-Seiten bedienten. Daraus erklären sich die kleinen, bekömmlichen Lesefutter-Portionen und die knapp skizzierten Charaktere. Die sind so geschaffen, dass man sie je nach Lust und Laune bedauern oder schadenfroh betrachten kann, wenn sie in der Tinte sitzen.

H. Schönfeldt: Die Uhr schlug dreizehn
Verlag Waldkirch. 16,80 Euro.


Mannheimer Morgen
05. November 2008



   

Veranstaltungen

Sie sind herzlich zu unseren aktuellen Buchvorstellungen und Lesungen eingeladen.

Das eigene Buch

Bei uns erhalten Sie die Möglichkeit, Ihr eigenes Buch herauszubringen.
Wie? - Das erfahren Sie hier.

zur Buchhandlung Waldkirch in Feudenheim

Hier erhalten Sie alle Bücher des Verlags sowie das gesamte Buchhandelsprogramm

Zur Online-Buchhandlung

Über 450.000 Bücher online bei Waldkirch bestellen

Newsletter anfordern

Aktuelle Infos zu allen Veranstaltungen, zum Verlag und zur Buchhandlung

Yoga-Zentrum Mannheim

Hatha-Yoga Kurse, Business-Yoga, Betriebl. Gesundheitsvorsorge