Die besten Geschichten der Familie Knorzebach leben bei einer Lesung wieder auf

Von Regina und Hugo Steegmüller zusammen mit Günther Baacke. Das Buch dazu - De Knorzebachs FRITZEL un sei Leit

18.04.08

Amüsante Lesung mit Texten von Franz Schmitt
Die Knorzebachs wiederbelebt


"So werd bei uns geredd" klärte Kurt Bräutigam mit einem Wörterbuch alle Zugereisten der Kurpfalz auf. "Das is halt Mannemerisch" setzte Franz Schmitt (1900-1985) dieser Aufklärung die Krone auf, denn der Journalist des Mannheimer Tageblatts und erste Bloomaul-Ordensträger der Stadt führte mit seinen Geschichten nicht nur in die Mundart ein, die hier so deftig frei gebabbeld wird; er skizzierte auch am Beispiel der Familie Knorzebach die urtypischen Eigenarten der Bewohner des urtypischsten Teils der Quadratestadt - der Filsbach (die Unterstadt der Quadrate H bis K).

In einer gekonnten Revue aus Rezitation (Helmut Baacke), Spiel und Gesang (Regina und Hugo Steegmüller) und Klavierbegleitung (Eduard Grabinger) wurde nun die Familie Knorzebach noch einmal zum Leben erweckt, und die gut 200 Besucher im Neckarauer VHS-Breiling-Saal, die auf Einladung des Buchhändlers Helmut Linde und des Kulturvereins NeKK`99 gekommen waren, amüsierten sich köstlich.

Streiter für den Erhalt der Mundart

"Familie Knorzebach, verzeehlt vum Ottl" - so war die Kolumne des Schmitte Franz überschrieben, die in den Jahren 1933 bis 1938 in loser Folge in der Lokalzeitung erschien. Seine bezeichnenden in Mannemerisch geschilderten Szenen aus dem Leben der Filsbach versüßten nicht nur den Lesern den ohnehin schweren Alltag. Verbreitet durch über hundert Hörfunksendungen, erheiterten sie eine ganze Region.

Dass diese Geschichten und damit auch die kurpfälzer Mundart nicht in Vergessenheit geraten, ist dem Buchhändler Helmut Linde zu verdanken. Mehr als 20 Jahre habe es gedauert, so gesteht er bei der Begrüßung den vielen Gästen, dass ihm eine Neuauflage von Schmitts Anekdoten genehmigt und die Rechte für die "Knorzebachs" übertragen wurden. Wieder erschienen im Verlag Waldkirch, tragen nun zwei Büchlein die "Liebeserklärung" an das Mannheim der Unterstadt und dessen lebenslustige und rau-herzliche Menschen weiter.
Eine Familie zum Liebhaben

Franz Schmitt war ein scharfer Beobachter und gewandter Journalist. Was er in der Filsbach erlebte, schilderte er mit viel Humor und Einfühlungsvermögen. Nie verletzend beschrieb er die Menschen mit all ihren liebenswerten guten und schlechten Eigenarten - so auch die Knorzebachs, die Günther Baacke hier vorstellte: Zuerst den Fritz, der in der Schule kein Paradestück ist, aber in der Gass` das Wort führt, und sein kleiner Bruder Schorsch, der manchmal "e bissel großmudderisch" ist. Er trägt den Namen von seinem Vater, dem alten Schorsch Knorzebach, der dafür sorgt, dass das Geld in der Wirtschaft (im Gasthaus) in die Wirtschaft kommt.

Sein Leib- und Magenfreund ist der Heiner Offeloch, der überall da ist, wo der Schorsch auch ist. Nicht zu vergessen Frau Knorzebach, die Binche, geborene Schlenkerbaschdel - eine "Attraktion", die gerne redet, vor allem wenn sie mit ihrer "Weltfeindin Nr.1", der benachbarten Zartliebin, übers Putzen diskutiert. Da der Zartlieb bei seiner Frau nichts zu sagen hat, fällt er kaum auf, eher noch seine zwei Buben Scheppe und Brillegockel, die manchmal zum Schaden der Jugendbewegung in der Gass` werden.
Kurpfälzer Lebensfreude

All diese liebenswerten Bewohner traten durch Rezitation und Rollenspiel vor Augen, erzählten von überraschenden Silvesterfeiern und gefährlichen Umzügen und kuriosen Gerichtsverhandlungen. Daneben begeisterten Regina und Hugo Steegmüller mit ihren gekonnten Mannemer Hits und ließen das erheiterte Publikum am Feuerwerk der Kurpfälzer Lebensfreude teilhaben.


Originale aus Filsbachquartier

Irgendwie steckt doch in jedem echten Mannheimer ein Knorzebach. Zumindest in der Musikalität des Dialekts könnten sie als Vorbild dienen für die Wohlgefälligkeit, die vom Klang dieses breit gezogenen Zungenschlags ausgeht. Der literarische Erfinder der Familie aus dem Filsbachquartier, Franz Schmitt, hatte diese typischen Vertreter Mannheimer Mundart in Geschichten im Mannheimer Tageblatt in den Jahren 1933 bis 1938 als stilistisches Beispiel hervorragend eingefangen.
Musikalischer Leseabend

Jetzt gab es die Abenteuer um die urigen Bewohner der östlichen Unterstadt als musikalisch aufgeheiterten Leseabend im Bürgerhaus Gartenstadt neu zu erleben. Als Basis für den Vortrag diente dabei die im vergangenen Jahr vom Waldkirch-Verlag nach einer Idee von Helmut Linde herausgegebene Sammlung der besten Knorzebachgeschichten, die von Regina und Hugo Steegmüller zusammen mit Günther Baacke bühnentauglich in Szene gesetzt wurden. Am Klavier sorgte Eduard Grabinger für die passende musikalische Note.

"Wir hätten auch einen größeren Saal anmieten können, so viele Kartenwünsche, wie es für diesen Abend gegeben hatte", berichtete Christine Thelen, Zweite Vorsitzende des Bürgervereins Gartenstadt. Doch im kleinen Saal des Bürgerhauses sei es viel gemütlicher und eine entsprechende Atmosphäre garantiert.

Mundart müsse laut gelesen werden, "sie muss klingen", lautete jedenfalls die Empfehlung von Helmut Linde für jeden, der es mit dem literarischen Sprachrhythmus von Hans Glückstein, Gottfried Nadler oder eben Franz Schmitt aufnehmen möchte. Damals hatte der Buchhändler Franz Schmitt in die Hand versprochen, dessen Mannheimer Verse ("Des is halt Mannemerisch") erneut zu publizieren. "Und das war mir ja zum Glück zu Schmitts Lebzeiten noch gelungen", wie er dem "MM" berichtete.

Ein Abend voll „Muttersprooch“:
Günther Baacke und Hugo Steegmüller.


"De Knorzebachs FRITZEL un sei Leit", das zweite von Helmut Linde herausgegebene Buch Schmitts, kommt im Gegensatz zum Vorgänger ohne eine Hochdeutsche Übersetzungshilfe im Anhang aus. Alles dreht sich dort um die hemmungslos pfälzische Familie, der, ob "beim Frühschoppe, Dämmerschoppe oder Spätschoppe", schlechthin der Stempel eines Unikats aufdrückt werden kann.

Als einer von ihnen hat sich auch Franz Schmitt empfunden. 1900 in Ludwigshafen geboren und mit elf Tagen über den Rhein gewechselt, wollte der Mundartdichter ursprünglich Jesuitenpater werden, war dann über Umwege aber doch beim Mannheimer Tageblatt (damals Verlag Waldkirch) gelandet, wo er zwischen 1933 bis 1938 seine Geschichten um die Knorzebachs mit viel Erfolg veröffentlichte.

"Muschderbeispiel ohne Frooch"

In vortrefflicher Weise gab es das Beste der Verse und Geschichten aus dem Munde Günther Baackes, der hörbar mit "Pälzer" Zunge geboren worden ist und dem die "Muttersprooch" herzhaft über den Gaumen gurgelte. Für das Publikum entwickelte sich die Bücherlesung schnell zum großen Spaß und spätestens beim "Muschderbeispiel ohne Frooch", nämlich der "Pälzer Fußballsprooch", das diesmal ohne Herberger auskam, war auch der letzte Zweifler für die Vorzüge der Mundartliteratur gewonnen.

Denn Mannemerisch ist nicht gleich Mannemerisch, hatte zuvor schon Gastgeberin Christine Thelen einen feinen Unterschied ausgemacht. Was die Verrohung des Mannheimer Dialekts angehe, das könne er auch nicht gutheißen, pflichtete Günther Baacke bei.

Das Buch über die Familie Knorzebach bietet jedenfalls 16 lehrreiche Beispielgeschichten, in denen der Leser zurück zu den Wurzeln des Dialekts geführt wird, auch wenn das Buch nur einen kleinen Ausschnitt aus der Knorzebachreihe darstellt, die es damals immerhin auf 100 Hörfunksendungen gebracht hatte. jba


Franz Schmitt: „Das is halt Mannemerisch“
und „De Knorzebachs Fritzel un sei Leit“,
Verlag Waldkirch, je 16.80 Euro.

Buchtitel:
De Knorzebachs Fritzel un sei Leit
Des is halt Mannemerisch

Mannheimer Morgen
18. April 2008



   

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