Vernissage - Ausstellung mit Bilder von Armin Schanz

Scarlet Prestige - Mischtechniken und Paintographien - Laudatio von Manfred David

19.10.07

in der Verlagsbuchhandlung Waldkirch
Hauptsraße 71
68259 Mannheim-Feudenheim

Ausstellung vom 19. Oktober bis 17. November 2007

Armin Schanz hat sich schon seit frühster Jugend mit der Malerei beschäftigt. Von den Anfängen bis heute wurde und wird er von der Musik und der Poesie Marc Bolans* beeinflusst. Hinzu kam die frühe Auseinandersetzung mit dem Surrealismus, den er in Theorie und Praxis studierte. René Magritte* zählte zu seinen frühen Vorbildern, doch am meisten imponiert hat ihm der frühbarocke italienische Maler Michelangelo Merisi* (eher als Caravaggio bekannt, dem Namen seiner Geburtsstadt). Die besonderen Darstellung von Hell-Dunkel-Kontrasten und vor allem direkter Körperlichkeit wurde schnell auch Teil der Werke von Armin Schanz.

Anfang der 80er Jahre kamen verstärkt Einflüsse der Neuen Sachlichkeit dazu, was sich besonders in seinem glatten altmeisterlichen Malstil zeigte.

Noch bevor er in Heidelberg sein Studium der Kunstgeschichte begann, hatte er in Mannheim 1981 seine erste Einzelausstellung, die noch stark unter dem Einfluss des Surrealismus stand.

Bereits bei seiner dritten Einzelausstellung 1984 hatte er zu seinem eigenen Stil, den er Sensitivismus nannte, gefunden. Die Reaktionen beim Publikum waren jedoch sehr geteilt, sie reichten von entsetzter Ablehnung bis zur totalen Begeisterung. Dieser Zwiespalt nahm mit der weiteren Entwicklung des Sensitivismus noch zu. Die Kunstkritiker waren begeistert.

In der Mitte der 80er Jahre änderte er seinen Malstil dramatisch, die glatte altmeisterliche Pinselführung wich einem expressiven rauen Pinselduktus

Jetzt setzte auch der Verkaufserfolg ein. Seine Einzelausstellung 1987 im Mannheimer „Künstlerkeller Gutenberg“ setzte neue Maßstäbe in seiner Karriere.

Den damaligen Höhepunkt erlebte er mit seiner Ausstellung von Bildern und Videoperformance im Mannheimer Kunstverein 1988.



Einige Bilder der Ausstellung
und Bilder von der Vernissage


- Armin Schanz mit Frau und Barbara Waldkirch

- Helmut Linde überreicht Barbara Waldkirch einen Strauß Blumen zur Verleihung der Wirtschaftmedaille des Landes Baden-Württemberg

- Manfred David vor seiner Vita über Armin Schanz im Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Klaus Dieter Reichardt

- Klaus Dieter Reichardt gratuliert Barbara Waldkirch und Helmut Linde zur Ausstellungseröffnung


- Bilder zum Vergrößern bitte anklicken -



Laudatio von Manfred David über Armin Schanz:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich begrüße Sie recht herzlich und freue mich sehr heute Abend hier zu sein.
Bevor ich einige Worte über den ausstellenden Künstler Armin Schanz spreche, möchte ich mit Ihnen gemeinsam eine kleine Zeitreise unternehmen. Eine Reise zurück in das Jahr 1987...

Im Oktober 1987 fand ein künstlerisches Zusammentreffen statt und zwar, wie auch heute Abend, zwischen Helmut Linde und dem jungen Künstler und damaligen Studenten der Kunstgeschichte in Heidelberg, Armin Schanz.
„Cupere aude - Mut zur Begierde“, so war der Titel der Ausstellung in Helmut Linde`s Künstlerkeller Treffpunkt Gutenberg auf der Armin Schanz erfolgreich Bilder und auch Videoperformances vorstellte.

Die Kritiken des Mannheimer Morgens waren so herausragend, wie die Ausstellung selbst und aufgrund dieses Erfolges planten Linde und Schanz eine weitere Ausstellung vier Jahre später... Aus den vier Jahren sind nun zwanzig geworden und es ist schön zu sehen, dass manche Dinge vielleicht einfach Zeit brauchen, aber sie nie in Vergessenheit geraten.
Da Sie nun etwas über den Hintergrund dieser Ausstellung wissen, wird es Zeit dafür, uns zurück in diese Räumlichkeiten zu begeben um in die Welt vom Maler und Medienkünstler Armin Schanz einzutauchen.

1960 wird er hier, in unserer Stadt, Mannheim geboren. Sein künstlerisches Talent wird schnell entdeckt und gefördert. Früh sind es schon keine landschaftlichen Postkartenmotive, die der Junge malt, sondern figurative Werke mit Inhalt. Erfolgreich ist er nicht nur in der Schule, sondern auch privat nutzt er die Freizeit um künstlerisch aktiv zu sein. Bereits mit 17 Jahren dreht Armin Schanz seinen ersten Film „Les sentiments secret" („Die geheimen Empfindungen"), wobei er sämtliche Requisiten und Kostüme eigenständig entwirft, die Kameraführung übernimmt und zudem selbst Darsteller ist. Der Film ist eine Hommage an den Luis Bunuels surrealistischen Film „Un chien andalous“ aus dem Jahr 1928.

Noch bevor er sein Studium der Kunstgeschichte beginnt feiert er 1981 seine erste Einzelausstellung in Mannheim. Ein Jahr später folgt eine Ausstellung im Deutsch-Amerikanischen-Institut Heidelberg und Armin Schanz heiratet seine Frau Sabine, die ihn fortan auf seinem Lebensweg unterstützt und seine Karriere managet.

In den folgenden Jahren bis 1988 pendelt Armin Schanz regelrecht zwischen Studium und Ausstellungen hin und her. 1984 führt er in der Klapsmühl` am Rathaus Mannheim seinen Film und zahlreiche Bilder vor, wobei er zu diesem Zeitpunkt auch zu seinem eigenen Stil findet: dem Sensitivismus. Diese Kunst entsteht, wie der Stilname schon verrät, aus tiefen bizarren Empfindungen heraus und stößt zu seiner Zeit sowohl auf starke Kritik, wie auch auf großen Respekt und Befürwortung. Auf Leinwänden und Bütten finden sich direkte Darstellungen von androgynen Motiven, erotische Szenen werden abgebildet, die schwer zu deuten sind. Armin Schanz bricht Tabuthemen dieser Zeit, die Betrachter seiner Werke reagieren darauf: Sie können nicht die Augen davon lassen, sind schockiert und fasziniert.

1986 ändert Armin Schanz seinen Malstil dramatisch und der Verkaufserfolg setzt ein. Noch immer ist es tief sensitivistisch, doch nun mit einem expressiven, rauen, Pinselduktus statt der glatten und geordneten Pinselführung. Der Sensitivist erweitert das Darstellungsangebot, befasst sich neben der Malerei nun zusätzlich mit Videokunst- und performances.

1988 schließt Schanz das Studium ab und genießt seinen Höhepunkt auf seiner Ausstellung im Kunstverein Mannheim. Kurz darauf zieht er sich, trotz des inzwischen großen Erfolgs in der aktiven Künstlerwelt, etwas zurück, konzentriert sich auf die Techniken der Fotografie und der Filmmedien.

2005 betritt Armin Schanz dann, wortwörtlich, erneut die Bildfläche mit neuen Motivationen und Inspirationen und feiert sein persönliches Tabula rasa.

Schon im Februar und April 2006 genießt er während seinen ersten Ausstellungen seit beinahe 18 Jahren, in Baden-Baden und Colmar, vor allem bei der Presse beeindruckende Kritiken.
Ich heiße es wichtig zu verstehen, wer dieser Künstler ist und was die Besonderheit an jener dargestellten Kunst ist, um zu verstehen, was wir hier heute betrachten.

Er ist der Kunst immer einen Schritt voraus... und dies verdankt Armin Schanz seiner Bereitschaft in die Tiefe zu blicken und von dort aus geht dann meist noch ein Stück weiter.

Um frei von allen Zwängen tätig zu sein, galt es für ihn schon von Beginn an mit Hilfe von Musik einen „meditativen Trancezustand" zu erreichen. Ein wundersamer Inspirationsakt für einen wundersamen Künstler. Durch das Zusammenspiel von künstlerischer Tätigkeit und Musik werden alle Sinne geweckt, die Schanz benötigt. Schon mit 11 Jahren sind seine Interessen klar definiert: Er malt und hört die Musik Marc Bolans. Beides gehört bis zum heutigen Tage für ihn zusammen und ich möchte beinahe sagen: Man sieht die Musik und hört die Bilder...
Idole der Kunstgeschichte gibt es für Schanz bis heute eher wenige. Neben der frühen Beschäftigung mit dem Surrealismus und der Neuen Sachlichkeit hat ihn, wie ich erfahren durfte, am meisten der frühbarocke italienische Maler Michelangelo Merisi (eher als Caravaggio bekannt, dem Namen seiner Geburtsstadt) imponiert. Die besonderen Darstellung von Hell-Dunkel-Kontrasten und vor allem direkter Körperlichkeit werden auch Teil der Werke von Armin Schanz. Und so findet er letztendlich auch zu seinem eigenen, vorhin genannten, Stil, dem Sensitivismus.

Ich möchte hier ein Zitat des Künstlers einfügen, die sich auf die Bildinhalte damaliger Zeit beziehen:

- Ich male Körper die sich in der Kontemplation befinden, eine psychische Expirience haben.

Die psychischen Vorgänge durchdringen die Materie der Körper, reißen sie auf, verzehren sie. Die Materie wird durch die psychischen Einflüsse verändert, zerstört, aber dadurch befreit. Sie erfährt eine neue Dimension.
An der Verzerrung und Entstellung lassen sich die psychischen Vorgänge ablesen. Bewegung als Aufschrei, als psychische Explosion der Materie. -
Das wohl wichtigste Merkmal seiner Kunst ist jedoch der Malgrund. Bei den früheren Werken setzt sich der Malgrund aus Zeitungen, Zeitschriftenfetzen, Dessous und anderen objets trouvé zusammen. Schanz wählt bewusst Gegenstände aus, die „Empfindungen suggerieren oder tatsächlich auslösen können“.

Seine Mischtechnik auf Leinwand von damals, entwickelt er 2005/06 weiter zu den hier zu sehenden Paintographien. - Der Unterschied liegt darin, dass die objets trouvé nicht mehr auf Leinwände „geklebt“, sondern am Computer eingescannt werden. Die Hand führt keinen „echten" Pinsel mehr, sondern ein Maltableau synchronisiert Leinwand und Pinsel. Schanz nutzt die neuesten multimedialen Techniken, verwendet eigene Fotomotive und Videoausschnitte und erfährt bei jedem neuen Werk neue Inspirationen. Fotos fließen mit ein, auch Videograbbings aus Videoperformances und Skizzen. Durch die Übermalung entstehen neue Ebenen, andere verschwinden.

Armin Schanz bricht hierbei mit der klassischen Vorstellung vom Tafelbild, also dem an der Staffelei sitzenden Maler. Dennoch bleiben alle seine hier gezeigten Werke Unikate, die nicht, wie beispielsweise Textdokumente, beliebig oft ausgedruckt werden können.
Das Ergebnis seiner Methode sind Bilder, die einer unvergleichbar tiefen Sensibilität zugrunde liegen und bei denen der Betrachter, also Sie meine Damen und Herren, bei jedem weiteren Blick ein vorher übersehenes Detail entdecken kann.

In diesem Sinne, wünsche ich Ihnen allen einen ganz besonderen Abend mit einem wirklich besonderem Künstler und besonderen Bildern. Erlauben Sie sich in Tiefe zu blicken. Lassen Sie sich in die Welt des Sensitivisten führen und vergessen Sie für einige Zeit, was Sie bisher gesehen haben. Vielen Dank.


Infos zu
[Autor="29"]Manfred David[/Autor]


   





















Veranstaltungen

Sie sind herzlich zu unseren aktuellen Buchvorstellungen und Lesungen eingeladen.

Das eigene Buch

Bei uns erhalten Sie die Möglichkeit, Ihr eigenes Buch herauszubringen.
Wie? - Das erfahren Sie hier.

zur Buchhandlung Waldkirch in Feudenheim

Hier erhalten Sie alle Bücher des Verlags sowie das gesamte Buchhandelsprogramm

Zur Online-Buchhandlung

Über 450.000 Bücher online bei Waldkirch bestellen

Newsletter anfordern

Aktuelle Infos zu allen Veranstaltungen, zum Verlag und zur Buchhandlung

Yoga-Zentrum Mannheim

Hatha-Yoga Kurse, Business-Yoga, Betriebl. Gesundheitsvorsorge